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Fächerangebot
Der Unterricht

Der Klassenlehrer

Die Erziehung eines Kindes erfordert Überblick über lange Zeiträume. Deshalb ist das Klassenlehrerprinzip ein fester Bestandteil der Waldorfpädagogik.
Der Klassenlehrer, der für die Kinder in besonderem Maße da sein will und jedes einzelne im Unterricht durch Aufmunterung, Aufgaben und Kontrolle betreut, sollte nicht jedes Jahr wechseln. Er muss die ihm anvertrauten Kinder möglichst gut kennen. Am ehesten gelingt dies, wenn er ihren Werdegang und ihre Umwelt über längere Zeit wahrnimmt. Kinder brauchen eine stabile Umgebung, sie benötigen Bezugspersonen, an denen sie sich für eine bestimmte Dauer orientieren können.
Der Klassenlehrer kann solch eine Bezugsperson sein, denn er begleitet die Kinder durch die ersten acht Klassen. Er unterrichtet täglich im Epochenunterricht zwischen 8.00 und 10.00 Uhr und übernimmt auch einige Fachstunden. Die übrigen Fachstunden werden von entsprechenden Fachlehrern erteilt.
Ab der 9. Klasse haben die Schüler keinen Klassenlehrer, sondern einen oder zwei Betreuungslehrer als Ansprechpartner. Diese unterrichten aber nicht im gesamten Epochenunterricht, sondern nur in ihrem speziellen Fach.


Grundmuster des Stundenplans

Wir unterscheiden zwischen dem Epochenunterricht, den wir auch als "Hauptunterricht" bezeichnen, und der in der Regel von 8.00 bis 10.00 Uhr stattfindet, und den anschließenden Fachstunden.


Der Epochenunterricht

Wie bereits in der Kurzcharakteristik ausgeführt, unterrichten wir manche Fächer in Epochen, also in einem oder mehreren Unterrichtsblöcken pro Jahr. Dies gilt zum Beispiel für Deutsch, Geschichte, Erdkunde, Biologie, Mathematik, Physik und Chemie.
Epochenunterricht erleichtert es Lehrern und Schülern, sich auf ein Fach intensiv einzulassen, weil sie sich ca. drei Wochen lang täglich zwei Stunden lang damit befassen. Gesetzmäßigkeiten, Regeln und größere Zusammenhänge können gemeinsam gut erarbeitet werden. Da ausreichend Zeit zur Verfügung steht, ist es einfacher, in verschiedenen Unterrichtsphasen Verstand, Gefühl und Willenskraft der Schüler zu aktivieren. Dieses projektorientierte Arbeiten fördert Interesse und Motivation der Schüler.


Der Fachunterricht

Nach dem Hauptunterricht folgt eine längere Pause. Dann werden in einzelnen Fachstunden die Fächer unterrichtet, in denen regelmäßiges Arbeiten während des ganzen Schuljahres nötig bzw. wünschenswert ist. Zu diesen Fächern gehören die Fremdsprachen, Musik, Sport, Eurythmie sowie der handwerkliche Unterricht. In manchen Fächern, wie zum Beispiel Mathematik oder Deutsch, gibt es sowohl Epochen als auch regelmäßige Fachstunden.


Förderung der sprachlichen Fähigkeiten

Die Rezitation

Wie an allen Schulen üblich werden die sprachlichen Fähigkeiten der Schüler vor allem im Deutschunterricht gefördert. Doch gibt es bei uns zusätzlich in einigen anderen Fächern eine "rhythmische" Unterrichtsphase, die musikalische Elemente beinhalten kann und oft auch die Rezitation von Gedichten umfasst. Dadurch soll der bewusste Umgang mit Sprache geübt werden. Gefördert wird nicht nur eine deutliche Artikulation, vielmehr erfahren die Schüler durch das Erleben von Rhythmik und Metrik, dass Sprache und Sprechen "Kunst" sein können.


Der fremdsprachliche Unterricht

Wir beginnen mit dem Unterricht der Fremdsprachen Englisch und Französisch bereits in der ersten Grundschulklasse, weil in diesem Alter das Kind noch unmittelbar nachahmend lernt. In spielerischer Weise erkennen die Schüler die Bedeutung von Wörtern und fühlen sich frühzeitig in Sprachmelodie und -rhythmus ein. Auch entwickeln sie Interesse an fremden Kulturen und Völkern.
Am Ende der 7. Klasse und zu Beginn der 8. Klasse gibt es an unserer Schule darüber hinaus Latein. Anschließend entscheidet jeder Schüler, ob er neben dem Englischunterricht zusätzlich Französisch- oder Lateinunterricht wünscht.


Das Theaterspiel

Das Theaterspielen bietet sowohl im Deutschunterricht als auch im Fremdsprachenunterricht vielfältige Möglichkeiten zur künstlerischen Arbeit mit der Sprache. So sieht unser Lehrplan in der 8. und 12. Klasse die öffentliche Aufführung anspruchsvoller Theaterstücke vor. Dabei ergibt sich ein ideales Lernfeld, in dem die Schüler ihre künstlerischen, handwerklichen, sozialen und organisatorischen Fähigkeiten erproben und erweitern können. Sie lernen auch, ihre Ängste zu überwinden und sicher aufzutreten.


Künstlerischer, handwerklicher und technischer Unterricht

An unserer Schule gibt es ein großes handwerklich-künstlerisches Unterrichtsangebot:
- Handarbeit (Stricken, Nähen etc.)
- handwerklicher Unterricht (Kupfertreiben, Schreinern, Töpfern, Korbflechten, Kartonage, Buchbinden)
- künstlerischer Werkunterricht (Schnitzen, Plastizieren, Bildhauen, Steinmetzen)
- Malen, Zeichnen, Druckgrafik.

Unser Lehrplan enthält darüber hinaus viele weitere Elemente, die auf Sach- und Lebenskunde abzielen: In der Unterstufe gibt es z.B. eine Hausbauepoche, in der die Kinder selbst ein kleines Gebäude - etwa ein Gartenhaus - errichten. In einer Feldbauepoche ackern, säen und ernten die Schüler und in einer Handwerkerepoche lernen sie den Alltag verschiedener Handwerker kennen.

In späteren Jahrgangsstufen unterrichten wir einerseits Gartenbau und Hauswirtschaft, andererseits findet auch Technologie- und Computerunterricht statt. Es ist ein Anliegen der Waldorfpädagogik, insbesondere in den unteren Jahrgangsstufen, durch praktische Erfahrungen Wirklichkeit "begreifbar" zu machen. Dies erweitert nicht nur den Horizont, sondern bietet auch eine gute Grundlage für eine stärker abstrahierende Betrachtungsweise, wie sie in späteren Jahrgangsstufen angestrebt wird.


Religionsunterricht

An den Waldorfschulen erhalten alle Kinder den Religionsunterricht, den die Eltern entsprechend ihrer Religionszugehörigkeit für ihre Kinder wünschen.
Für Kinder, die keiner Konfession angehören, wird ein christlicher, nicht-konfessioneller Religionsunterricht durch die Mitglieder des Kollegiums erteilt (Freichristlicher Religionsunterricht).


Musikalische Erziehung

An unserer Schule wird von Anfang an viel gesungen und musiziert - und dies nicht nur im Musikunterricht. Alle Kinder spielen Blockflöte. Mit zunehmendem privaten Instrumentalunterricht kann im Lauf der Jahre sogar ein Klassenorchester entstehen. Darüber hinaus gibt es den regelmäßigen Musikunterricht, der begleitet wird durch Orchester- und Chorarbeit mit Auftritten vor der Schulgemeinschaft und auch in der Öffentlichkeit.
Eine enge Zusammenarbeit besteht mit der Freien Musikschule München-Daglfing; hier wird Instrumentalunterricht angeboten, der aber gesondert bezahlt werden muss.


Eurythmie

Ursprünglich als Bühnenkunst von Rudolf Steiner 1912 ins Leben gerufen will Eurythmie Sprache und Musik durch menschliche Bewegung sichtbar machen.
Wer einen Rhythmus nicht nur hört, sondern ihn läuft, wer eine Melodie mit den Händen und Armen darstellt, wer die Laute und Worte eines Gedichtes in ausdrucksvolle Bewegungen und Formen verwandelt, der kann ein aktiveres Verhältnis zu dem gewinnen, was sonst oft nur passiv aufgenommen und analytisch betrachtet wird. Durch diese individuelle Aktivität kann das in Bewegung verwandelte künstlerische Werk persönlich erfahren und besser in seinem Wesen erfasst werden.


Sportunterricht

In der Unterstufe erhalten und fördern wir die Bewegungsfreude der Kinder bei allen sportlichen Aktivitäten durch eine bildhafte, spielerische Aufgabenstellung.
Ab der Mittelstufe sollen die Kinder durch gezielte Übung an Turngeräten, in der Leichtathletik, beim Schwimmen und in den Sportspielen ihre Fertigkeiten erweitern.
Diese Fähigkeiten werden in der Oberstufe vertieft, wobei die Schüler in den verschiedenen sportlichen Disziplinen auch eigenverantwortlich arbeiten.


Umwelterziehung/Gartenbau

Von der 5. bis zur 10. Klasse werden alle SchülerInnen in der Gartenpflege und im Anbau von Gemüse und Obst unter Berücksichtigung der biologisch-dynamischen Bewirtschaftungsweise unterrichtet. Alle Klassen sind an der Gestaltung und Pflege des Schulgartens und der Außenanlagen beteiligt. In Theorie und Praxis werden so Kenntnisse vermittelt, die das Verständnis für die Erhaltung einer gesunden Umwelt fördern.


Projektarbeit/Praktika

Wir wollen, dass die Schüler bestimmte Schlüsselqualifikationen erwerben, und fördern deshalb ein eigenständiges, selbstverantwortliches und individuelles Arbeiten.
So werden in der 8. und 12. Jahrgangsstufe so genannte "Jahresarbeiten" angefertigt, bei denen die SchülerInnen in einem selbst gewählten Fachgebiet eine Art "Lehrstück" erarbeiten, wobei sie von einem fachkundigen Lehrer begleitet werden.
Der reguläre Unterricht wird durch Praktika unterstützt. In der 9. Jahrgangsstufe kann dies ein Umweltpraktikum sein oder eine Klassenfahrt, bei der geschichtliche oder literarische Kenntnisse anschaulich vermittelt werden.
In der 10. Klasse arbeiten die SchülerInnen ca. zwei Wochen auf einem biologisch bewirtschafteten Bauernhof. In der 11. Jahrgangsstufe gibt es ein Feldmess- und ein Sozialpraktikum, in der 12. Jahrgangsstufe folgt ein Kunstpraktikum.